Clofarabin - Nephrotoxische Stoffe
Clofarabin wird vorwiegend über die Nieren ausgeschieden und wahrscheinlich tubulär sezerniert; daher wird erwartet, dass nephrotoxische Arzneimittel die Bioverfügbarkeit erhöhen. Ausserdem ist eine additive Nephrotoxizität möglich.
Verstärkte Toxizität von Clofarabin
Die gleichzeitige Behandlung mit nephrotoxischen Arzneimitteln oder Arzneimitteln, die tubulär sezerniert werden, wie nicht-steroidale Antiphlogistika, Amphotericin B, Methotrexat, Aminoglykoside, Platin-Komplexe, Foscarnet, Pentamidin, Ciclosporin, Tacrolimus, (Val)Aciclovir und (Val)Ganciclovir, kann besonders während der 5-tägigen Clofarabin-Anwendung die Nephrotoxizität verstärken.
Die gleichzeitige Behandlung mit nephrotoxischen Arzneistoffen oder Arzneistoffen, die tubulär sezerniert werden, soll besonders während der 5-tägigen Clofarabin-Anwendung vermieden werden. Vorzugsweise sind Arzneimittel anzuwenden, die nicht für ihre Nephrotoxizität bekannt sind.
Nicht empfohlen (vorsichtshalber kontraindiziert)
T-Lymphozyten - Ganciclovir, Valganciclovir
Genetisch modifizierte T-Zellen mit Suizidgen (HSV-TK Mut2) werden begleitend bei haploidentischen hämatopoetischen Stammzelltransplantationen gegeben, um die Immunrekonstitution zu beschleunigen. Das Suizidgen bewirkt eine selektive Sensitivität der T-Zellen für Ganciclovir bzw. Valganciclovir, so dass sie durch Gabe dieser Virustatika getötet werden, was nur im Fall einer Graft-versus-Host-Reaktion ausgenutzt wird.
Unwirksamkeit der genetisch modifizierten T-Zellen
Die Behandlung mit Ganciclovir bzw. Valganciclovir während der Behandlung mit genetisch modifizierten T-Zellen mit Suizidgen (HSV-TK Mut2) bewirkt das vorzeitige Absterben dieser T-Zellen und damit deren Unwirksamkeit.
Während der Behandlung mit genetisch modifizierten T-Zellen mit Suizidgen (HSV-TK Mut2) darf Ganciclovir bzw. Valganciclovir nicht systemisch gegeben werden, da die T-Zellen damit unwirksam werden. Die Virustatika müssen mindestens 24 h vor der Applikation der T-Zellen abgesetzt werden. Ganciclovir bzw. Valganciclovir muss aber gegeben werden, wenn eine Graft-versus-Host-Reaktion auftritt: Sobald sich während oder nach der Behandlung mit T-Zellen mit Suizidgen (HSV-TK Mut2) eine akute Graft-versus-Host-Reaktion mit einem Schweregrad >= 2 oder eine chronische Graft-versus-Host-Reaktion entwickelt, muss der mit Ganciclovir in einer Dosierung von 10 mg/kg/Tag i.v., aufgeteilt auf zwei Gaben, oder peroral mit Valganciclovir 900 mg zweimal täglich, jeweils über 14 Tage, behandelt werden.
Nicht empfohlen (vorsichtshalber kontraindiziert)
Reverse-Transkriptase-Hemmer, nukleosidisch (HIV) - Ganciclovir, Valganciclovir
Wahrscheinlich spielt ein additiver toxischer Effekt eine Rolle. Aber auch pharmakokinetische Mechanismen könnten beteiligt sein: Erhöhte Didanosin- (ca. plus 110 %) und Zidovudin-Plasmakonzentrationen (ca. plus 20 %) wurden bei gleichzeitiger Behandlung mit Ganciclovir gemessen. Offenbar hemmt Ganciclovir das Enzym Purin-Nukleosid-Phosphorylase, das am Metabolismus von Didanosin beteiligt ist.
Nierenfunktionsstörungen können die Elimination aller betroffenen Stoffe beeinträchtigen und so ihre Toxizität verstärken.
Verstärkte Toxizität (vor allem Hämatotoxizität)
Das Risiko unerwünschter Wirkungen von Zidovudin und Didanosin kann erhöht sein, wenn gleichzeitig Ganciclovir oder sein Prodrug Valganciclovir angewendet wird. Eine verstärkte Hämatotoxizität (Anämie, Neutropenie, Leukopenie) bzw. Pankreatitis ist nicht auszuschliessen.
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Ganciclovir bzw. seinem Prodrug Valganciclovir und Zidovudin oder Didanosin soll das Blutbild überwacht und auf Zeichen einer verstärkten Toxizität der Reverse-Transkriptase-Hemmer geachtet werden.
Die Nierenfunktion ist zu kontrollieren.
Je nach individuellem Bedarf sollen die Arzneimittel in ihrer Dosis vermindert oder abgesetzt werden.
Stavudin interagiert wahrscheinlich nicht mit Ganciclovir.
Zu Abacavir, Emtricitabin und Lamivudin liegen keine Daten vor.
Überwachung bzw. Anpassung nötig
Tenofovirdisoproxil - Nephrotoxische Stoffe
Additive nephrotoxische Effekte
Verstärkte Nierentoxizität
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Tenofovirdisoproxil und nephrotoxischen Stoffen wird eine verstärkte Nierentoxizität erwartet.
Bei gleichzeitiger oder vor kurzem erfolgter Behandlung mit nephrotoxischen Arzneimitteln (Aldesleukin, Aminoglykosid-Antibiotika, Amphotericin B, Ganciclovir, Foscarnet, Pentamidin, Vancomycin) soll Tenofovirdisoproxil möglichst nicht angewandt werden. Ist die gleichzeitige Behandlung mit Tenofovirdisoproxil und einem nephrotoxischen Arzneimittel unvermeidbar, muss die Nierenfunktion wöchentlich kontrolliert werden.
Überwachung bzw. Anpassung nötig
Ganciclovir, Valganciclovir - Imipenem/Cilastatin
Sowohl (Val)Ganciclovir als auch Imipenem/Cilastatin haben ein hohes Potential, Krampfanfälle hervorzurufen, daher wird ein additiver Effekt befürchtet.
Erhöhtes Risiko für generalisierte Krampfanfälle
Bei Patienten, die Imipenem/Cilastatin und Ganciclovir erhielten, wurden generalisierte Krampfanfälle beobachet.
Imipenem/Cilastatin und Ganciclovir bzw. Valganciclovir sollen nur dann gleichzeitig eingesetzt werden, wenn der potenzielle Nutzen die Risiken für den Patienten überwiegt.
Überwachung bzw. Anpassung nötig
Virustatika - Mycophenolsäure
Möglicherweise konkurrieren die Arzneistoffe um die tubuläre Sekretion. Additive Effekte können die Hämatotoxizität erhöhen.
In Einzeldosis-Studien bei gesunden Probanden und Patienten nach Nierentransplantation mit leichter bis mässiger Niereninsuffizienz ergaben sich keine Hinweise auf eine klinisch relevante Wechselwirkung.
Erhöhte Plasmakonzentrationen der Virustatika möglich
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Mycophenolat natrium bzw. Mycophenolat mofetil und Aciclovir/Ganciclovir bzw. deren Prodrugs sind erhöhte Plasmakonzentrationen der Virustatika und möglicherweise von Mycophenolat nicht auszuschliessen. Blutbildschäden (Leukopenie, Neutropenie) sind als unerwünschte Effekte der Virustatika beschrieben: In einigen Fällen wurde ihr Auftreten mit der gleichzeitigen Behandlung mit Mycophenolat in Verbindung gebracht.
Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen sollen die Dosierungsempfehlungen der Virustatika genau eingehalten und sorgfältig auf Überdosierungssymptome und unerwünschte Effekte, vor allem auf Blutbildschäden, geachtet werden.
In bestimmten Fällen Überwachung bzw. Anpassung nötig
Virustatika - Probenecid
Vermutlich hemmt Probenecid die tubuläre Sekretion der Virustatika durch Anionentransportproteine (OAT). Die gleichzeitige Behandlung mit Probenecid erhöhte die Bioverfügbarkeit von Ganciclovir im Mittel um 40 %. 1 g Probenecid, gegeben eine Stunde vor der Einnahme von Aciclovir, erhöhte dessen Biovefügbarkeit ebenfalls um ca. 40 %.
Verstärkte Wirkungen der Virustatika möglich
Die gleichzeitige Behandlung mit Probenecid kann die Plasmakonzentrationen mehrerer Virustatika (Aciclovir, Famciclovir, Ganciclovir, Valaciclovir, Valganciclovir) erhöhen. Die unerwünschten Effekte dieser Virustatika können verstärkt bzw. vermehrt auftreten.
Bei Patienten, die gleichzeitig mit Probenecid behandelt werden, soll vermehrt auf toxische Wirkungen der genannten Virustatika geachtet werden. Als Alternative zu Probenecid bei Hyperurikämie können Benzbromaron oder Allopurinol erwogen werden.
Vorsichtshalber überwachen